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Eklat beim Sommerinterview: Spielball ledert gegen die Bundesliga

Sommerpause in der Bundesliga. Bis zum Start der Saison dauert es noch ein paar Tage. Mutti, der Libero ist mit einem der Hauptakteure der großen Fußballshow zum Interview verabredet: dem offiziellen Spielball. Bei der Ankunft in dessen Stammkneipe im Frankfurter Stadtteil Bornheim bietet sich ein erschreckendes Bild. Völlig derangiert sitzt Steven Spielgerät in einer dunklen Ecke des auch ansonsten nicht gerade gutbürgerlichen Etablissements. Seine Augen sind ein bizarrer Mix aus geweiteten Pupillen und blutunterlaufenem Weiß. Er ist schon lattenstramm am Vormittag. Nur mit letzter Kraft scheint sich die Zigarette in seinem ausgeleiherten Ventil zu halten…

Schock beim Interviewtermin: Der offizielle Spielball ist schon am Vormittag lattenstramm. (Bild: luftholen/flickr.com/CC BY-SA 3.0)

Schock beim Interviewtermin: Der offizielle Spielball ist schon am Vormittag lattenstramm. (Bild: luftholen/flickr.com/CC BY-SA 3.0)

Mutti, der Libero: Äh, hallo, Herr Spielgerät, schön, dass Sie Zeit haben. Warten Sie schon länger?

Steven Spielgerät (langsam die Augen öffnend, lallend): Welches Jahr haben wir…, …wer bist du?

Mutti, der Libero: Leider schon 2013. Wir sind hier, um mit Ihnen über die Bundesliga zu sprechen. Wäre das möglich?

Steven Spielgerät: Warten Sie kurz…

Er kramt in seiner fleckigen Weste und zieht ein durchsichtiges Tütchen mit weißem Pulver hervor, kippt ein wenig davon auf die Tischplatte, beugt sich vor und lässt es laut schniefend in seiner Naht verschwinden. Plötzlich wirkt er hellwach.

Steven Spielgerät: Hey, kann losgehen, Kumpel!

Mutti, der Libero: Oh, okay: Erzählen sie mal, Herr Spielgerät, wie läuft das eigentlich auf Ihrer Position mit der Saisonvorbereitung?

Steven Spielgerät: Pah! Hab’ ich früher auch gemacht. Reine Zeitverschwendung. Das ist vielleicht was für diese Hallen-Filz-Weicheier. Brauche ich alles nicht mehr.

Mutti, der Libero: Klingt nicht gerade so, als könnten Sie den Start kaum erwarten…

Steven Spielgerät: Was soll ich sagen? Ich mache den Job schon zu lange, Kumpel. Die Luft ist raus.

Mutti, der Libero: Woche für Woche jubeln Ihnen tausende Menschen zu, man spricht über Sie in Schulen und Büros. Das wäre für viele ein Traumjob. Woher kommt die Resignation?

Steven Spielgerät: Schuld ist der moderne Fußball. Früher, als ich gerade anfing mit dem Job, da wurde man als Ball noch geliebt. Alle wollten mich haben. Heute heißt es ständig, man muss gegen den Ball arbeiten, gegen den Ball verteidigen. Alle sind nur noch gegen mich. Es gibt keine Wertschätzung mehr. Das prangere ich an!

Mutti, der Libero: Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Steven Spielgerät: Schuld sind diese ganzen Konzept-Fuzzis. Die haben alles kaputt gemacht.

Mutti, der Libero: Also haben Sie sich vermutlich nicht darüber gefreut, dass Josep Guardiola jetzt den FC Bayern trainiert.

Steven Spielgerät: Scheiße, nein! Als ich davon erfahren habe, habe ich erst mal ne’ Flasche Gin aufgemacht. Ich weiß nur zu gut, was das für mich bedeutet. Der Typ hat sogar Lionel Messi gegen mich aufgehetzt und zum Ballfeind gemacht…(er ruft in Richtung der Kellnerin) Debbie, Schätzchen, bringst du deinem Stevie noch mal von der Medizin aus Schottland!

Mutti, der Libero: Apropos Ausland: Sie stammen ursprünglich aus Taiwan, nicht wahr?

Steven Spielgerät: Ja, aber meine Eltern waren in den Siebzigern hier und haben als Gastball in der Regionalliga West gearbeitet. Sie wollten später, dass auch ich den Sprung nach Deutschland schaffe.

Mutti, der Libero: Ihr Großvater hat die Anfänge der Bundesliga mitgeprägt. Hat er oft davon erzählt?

Steven Spielgerät: Darauf kannst du Gift nehmen, Kumpel. Das war die gute, alte Zeit. Die Jungs von damals waren noch aus richtigem Leder geschnitzt und haben sich bei Regen schön volllaufen lassen. Oh Mann, mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke. (Brüllt plötzlich) Debbie, verdammt. Willst du mich umbringen? Wo bleibt mein Scotch?

Mutti, der Libero: Herr Spielgerät, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

(Bild: luftholen/flickr.com/CC BY-SA 3.0)

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